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Ein Förderverein in Weingarten kämpft gegen den Verfall eines alten Instruments -
Mit Waffeln und Schokolade die kleine Gabler-Orgel retten
Von Andreas Hacker
Der kleinen Gabler-Orgel in der Basilika in Weingarten geht es schlecht. Stadt, Land und Kirche zögern, deshalb will eine private Initiative retten, was zu retten ist.
Es gibt nicht viele Werke Joseph Gablers, die heute noch erhalten sind. In der Wallfahrtskirche Maria Steinbach bei Memmingen und in der Klosterkirche in Ochsenhausen finden sich Spuren des bedeutendsten Orgelbauers Oberschwabens. Und in der Basilika in Weingarten: Dort hat Gabler gleich zwei Orgeln gebaut, zuerst die kleine im Chor, dann - als der Konvent von seinen Können überzeugt war - von 1737 an die große, sein Lebenswerk mit der berühmten Vox humana.
Die beiden Schwestern könnten unterschiedlicher kaum sein: Die Barockorgel auf der Empore ist vom Land für viel Geld restauriert worden, die Chororgel dagegen pfeift aus dem letzten Loch. ''Sie hat den Charme eines zahnlosen Lächelns'', sagt Stephan Debeur. Etwa 40 Prozent seien noch funktionstüchtig, schätzt der Organist, scheut aber jede Prognose. Zu wurmstichig die Kästen, auf denen die Pfeifen stehen, zu anfällig die Traktur, gefährlich gar, da kurzschlussträchtig, die Elektrik. Weil Ventile undicht sind, lassen sich manche Pfeifen gar nicht mehr abstellen - Debeur hat ihnen deshalb mit Handtüchern ''das Maul stopfen'' müssen.
So eindeutig die Diagnose, so unklar die Therapie. Auf der einen Seite der Gabler-Fan Debeur, für den Kirchenmusik in Weingarten nur mit beiden Orgeln denkbar ist. ''Die Basilika ist ein Gesamtkunstwerk'', sagt er, ''da kann man nicht nur einen Teil herausgreifen.'' Die große Orgel mit 66 Registern und 6666 Pfeifen ist gut für Werke des Barock, die kleine - 22 Register mit 2222 Pfeifen - hat Gabler auch für die Klänge der Romantik ausgelegt.
Auf der anderen Seite steht das Land, das als Eigentümer der Gebäude auf dem Martinsberg sparen muss. Wofür das knappe Geld zuerst ausgeben? Die Sanierung der Kuppel in der Basilika verschlingt zwei Millionen Euro, die Rettung des Südturms kaum weniger. Und der Nordturm wartet schon. Auch andere Immobilien wollen bedacht sein: Im Schloss in Tettnang, immerhin Sitz eines Amtsgerichts, fehlt ein Aufzug für den barrierenfreien Zugang. Und die Flachdächer der Justizvollzugsanstalt in Ravensburg sind undicht. Laut sagt keiner, dass ja vielleicht eine Orgel ausreichen könnte...
Weil auch die Kirche kein Geld hat, das Kloster schon gar nicht, müssen andere vorangehen. Leute wie Oberbürgermeister Gerd Gerber, der ein Kuratorium einberufen will und von einer Gemeinschaftsaktion träumt. Er will sich zwar nicht festlegen, welchen Beitrag die Stadt zu den etwa 800 000 Euro Kosten beisteuern kann, stellt aber immerhin Geld in Aussicht und hofft, dass andere folgen. Motor des Ganzen ist deshalb Iris Herzogenrath, die Vorsitzende des Fördervereins ''Musik in der Basilika''. Der sammelt Spenden und produziert eine CD mit Chormusik. Für neue Orgelpfeifen soll es Patenschaften geben, alte werden versteigert. Süße Orgelpfeifen kommen dazu - eine Konditorei überzieht Waffeln mit Schokolade. Auf dass andere anbeißen.
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